Reifendruck Wohnmobil – die große Übersicht 2026

Richtwerte, Tabellen & Praxistipps für CP-Reifen auf Fiat Ducato, Citroën Jumper, Peugeot Boxer & Co.

Der korrekte Reifendruck gehört zu den am häufigsten unterschätzten Sicherheitsfaktoren am Wohnmobil. Zu niedriger Druck erhöht den Verschleiß, den Kraftstoffverbrauch und im schlimmsten Fall das Risiko eines Reifenplatzers – zu hoher Druck verschlechtert Komfort und Bodenhaftung. Diese Seite liefert typische Richtwerte für die gängigsten Wohnmobil-Gewichtsklassen und ersetzt nicht die fahrzeugspezifischen Angaben in der Bedienungsanleitung oder der Last-/Drucktabelle deines Reifenherstellers.

Wichtig: Die Werte beziehen sich auf kalte Reifen (mindestens 2 Stunden Standzeit oder weniger als 3 km gefahren). Während der Fahrt steigt der Druck um ca. 0,2–0,4 bar – diesen Anstieg nicht ablassen!

Was du über Reifendruck am Wohnmobil wissen musst

Basisfahrzeuge

Die allermeisten Wohnmobile in Europa bauen auf dem Fiat Ducato (bzw. Citroën Jumper / Peugeot Boxer) auf. Daneben kommen MAN TGE / VW Crafter, Mercedes Sprinter, Ford Transit und bei schweren Fahrzeugen Iveco Daily oder MAN-/Mercedes-LKW-Fahrgestelle zum Einsatz.

CP-Reifen – was ist das?

CP steht für Camping und kennzeichnet Reifen, die speziell für die hohen statischen Standlasten von Wohnmobilen ausgelegt sind. Im Gegensatz zu normalen Transporterreifen (C-Reifen) dürfen CP-Reifen dauerhaft mit höherem Druck (bis 5,5–6 bar) gefahren werden, ohne dass die Karkasse leidet. Gängige Modelle:

  • Michelin Agilis Camping / CrossClimate Camping
  • Continental VancoCamper
  • Goodyear Cargo Vector 2 (CP-Version)
  • Bridgestone Duravis All-Season CP
Tipp: Wohnmobile stehen oft wochenlang auf der Stelle. CP-Reifen sind für diese Standbelastung konstruiert und verformen sich weniger als normale C-Reifen. Viele Experten empfehlen daher ausdrücklich CP-Reifen für Reisemobile.

Gewichtsklassen

Die drei praxisrelevanten Stufen beim zulässigen Gesamtgewicht (zGG):

KlassezGGFührerscheinTypische Fahrzeuge
Lightbis 3,5 tBTeilintegrierte, Kastenwagen, kleinere Alkoven
Medium3,5–4,25 tB96 / BE *Teilintegrierte, Integrierte, größere Alkoven
Heavyüber 4,25 tC1 / CGroße Integrierte, Liner, Expeditionsfahrzeuge

* Seit 2024 dürfen Inhaber des B-Führerscheins unter bestimmten Voraussetzungen Fahrzeuge bis 4,25 t fahren (§ 6 FeV).

Reifendruck-Tabelle für Wohnmobile (Richtwerte)

Gewichtsklasse (zGG) Basis / Chassis Typische Achslast
(vorn / hinten)
Übliche Reifengrößen (CP) Richtwert vorn Richtwert hinten Hinweise
Bis 3,5 t (Light) Fiat Ducato Light, Citroën Jumper, Peugeot Boxer ca. 1 850 / 2 000 kg 215/70 R15 CP
225/75 R16 CP
3,0 – 4,0 bar 4,0 – 4,5 bar Fiat gibt pauschal oft 5,5 bar rundum vor – das ist eher der Maximalwert, nicht der Komfortwert. Anhand der Michelin- oder Continental-Lasttabelle lässt sich der optimale Druck für die tatsächliche Achslast ermitteln.
3,5 – 4,25 t (Medium) Ducato Maxi / Heavy, MAN TGE, Mercedes Sprinter ca. 2 100 / 2 400 kg 225/75 R16 CP
235/65 R16 CP
3,75 – 4,5 bar 4,75 – 5,5 bar Reifendruck unbedingt anhand der verwogenen Achslasten und der konkreten Reifen-Lasttabelle einstellen. Bei Michelin/Continental für CP-Reifen hinten teils bis 5,5–6,0 bar empfohlen.
Über 4,25 t (Heavy) Ducato Heavy / Iveco Daily / LKW-Basis 2 100–2 400 kg (v)
2 400–3 000+ kg (h)
225/75 R16 CP
255/55 R18 CP
ggf. weitere CP-Größen
4,0 – 5,0 bar 5,5 – 6,0 bar In dieser Klasse ist fast immer ein individueller Abgleich der verwogenen Achslasten mit der jeweiligen Reifen-Last-/Drucktabelle nötig.
Kastenwagen / Van
(z. B. Pössl, Malibu)
Ducato L2H2 / L3H2 ca. 1 700 / 1 800 kg 215/70 R15 CP
225/75 R16 CP
3,0 – 3,5 bar 3,5 – 4,5 bar Kastenwagen sind tendenziell leichter als Aufbau-WoMos. Viele Fahrer berichten von besserem Komfort bei angepasstem (= etwas niedrigerem) Druck gegenüber der Fiat-Werksangabe.
Generelle CP-Reifen
(Continental VancoCamper)
Verschiedene 215/70 R15 CP, 225/70 R15 CP, 215/75 R16 CP, 225/75 R16 CP, 235/65 R16 CP, 235/70 R16 CP, 225/65 R17 CP ca. 4,5 bar ca. 5,0 bar Generische Tabellenwerte von Continental. Müssen an Fahrzeug, Achslast, Geschwindigkeit und Komfortanspruch angepasst werden.
Generelle CP-Reifen
(Michelin Agilis / CrossClimate Camping)
Verschiedene 215/70 R15 CP, 225/75 R16 CP, 225/65 R16 CP ca. 4,5 bar ca. 5,0 – 5,5 bar Michelin stellt detaillierte Lastindex-/Drucktabellen online bereit. Druck immer mit tatsächlicher Achslast abgleichen.
Achtung: Die obigen Werte sind Orientierungswerte. Maßgeblich sind immer die Angaben im Türrahmen / Handbuch deines Fahrzeugs und die Last-/Drucktabelle des konkreten Reifenherstellers – abgeglichen mit den tatsächlich verwogenen Achslasten deines reisefertigen Wohnmobils.

Reifendruck richtig messen & einstellen

  • Immer kalt messen – mindestens 2 Stunden Standzeit oder weniger als 3 km gefahren.
  • Gutes Messgerät verwenden – digitale Reifendruckprüfer (ab ca. 15 €) sind genauer als Tankstellen-Kompressoren.
  • Alle vier Räder prüfen – Vorder- und Hinterachse haben in der Regel unterschiedliche Sollwerte.
  • Ventilkappen nicht vergessen – sie schützen das Ventil vor Schmutz und feinem Druckverlust.
  • Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) nachrüsten – ab ca. 50 € erhältlich; warnt bei Druckverlust in Echtzeit.
  • Achslasten wiegen – auf einer öffentlichen Fahrzeugwaage (z. B. bei Baustoffhändlern) das reisefertig beladene Wohnmobil achsweise wiegen.
  • Vor jeder längeren Fahrt prüfen – mindestens alle 4 Wochen und vor jeder Urlaubsreise.

Folgen von falschem Reifendruck

Druck zu niedrigDruck zu hoch
  • Erhöhter Kraftstoffverbrauch (bis zu 5 %)
  • Stärkerer und ungleichmäßiger Reifenverschleiß (Schultern)
  • Überhitzungsgefahr → Reifenplatzer
  • Verschlechterte Fahrstabilität, schwammiges Lenkgefühl
  • Längerer Bremsweg
  • Reduzierte Aufstandsfläche → weniger Grip
  • Ungleichmäßiger Verschleiß (Mitte der Lauffläche)
  • Härterer Fahrkomfort, stärkere Vibrationen
  • Höhere Empfindlichkeit gegenüber Schlaglöchern
  • Geringere Traktion auf nassem Untergrund

Saisonale Tipps & Winterpause

Vor der Saison (Frühjahr)

  • Reifendruck nach der Winterpause prüfen – Reifen verlieren ca. 0,1 bar pro Monat.
  • Profiltiefe messen: gesetzliches Minimum 1,6 mm, empfohlen mindestens 3 mm.
  • Reifen auf Risse, Beulen und Alterungserscheinungen prüfen (DOT-Nummer → Alter).
  • Reifen älter als 6 Jahre sollten besonders kritisch geprüft werden; ab 8–10 Jahren Austausch empfohlen.

Während der Winterpause

  • Reifendruck um ca. 0,5 bar über Normalwert erhöhen, um Standplatten zu minimieren.
  • Alternativ: Wohnmobil regelmäßig (alle 4–6 Wochen) ein Stück bewegen.
  • Reifen vor UV-Strahlung schützen (Reifenschutzhüllen oder Unterstellplatz).

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich am Wohnmobil wirklich CP-Reifen fahren?

Gesetzlich vorgeschrieben sind CP-Reifen nicht. Allerdings empfehlen fast alle Wohnmobil-Hersteller und der ADAC CP-Reifen, weil sie für die hohen Standlasten und den erhöhten Schwerpunkt von Reisemobilen optimiert sind. Viele Versicherungen können bei einem Unfall mit ungeeigneter Bereifung die Leistung kürzen.

Warum gibt Fiat 5,5 bar rundum vor?

Fiat gibt den Reifendruck für das Basisfahrzeug unter Maximallast an – also den sichersten Wert für alle möglichen Beladungszustände. Für dein tatsächliches Gewicht und deine Reifen kann ein niedrigerer Druck optimal sein. Der Aufkleber im Türrahmen ist ein guter Startwert, die Reifenhersteller-Tabelle liefert die präzisere Empfehlung.

Wie finde ich meine tatsächliche Achslast heraus?

Fahre dein reisefertig beladenes Wohnmobil auf eine öffentliche Fahrzeugwaage. Diese findest du bei vielen Baustoffhändlern, Recyclinghöfen oder Speditionen. Kosten: oft kostenlos bis ca. 10 €. Wichtig: Achsweise wiegen (erst Vorderachse auf die Waage, dann das ganze Fahrzeug). Die Differenz ergibt die Hinterachslast.

Soll ich den Druck bei Autobahnfahrten erhöhen?

Bei Dauergeschwindigkeiten über 120 km/h empfehlen einige Hersteller, den Druck um 0,2–0,3 bar zu erhöhen. Da die meisten Wohnmobile aber ohnehin zwischen 100 und 120 km/h bewegt werden, ist das selten nötig. Im Zweifel: Reifenhersteller-Tabelle konsultieren.

Brauche ich ein RDKS (Reifendruckkontrollsystem)?

Gesetzlich ist ein RDKS für Wohnmobile (Klasse M1) bei Erstzulassung ab 01.11.2014 vorgeschrieben. Ältere Fahrzeuge und Fahrzeuge über 3,5 t (Klasse M2/M3, N) sind davon ausgenommen, eine Nachrüstung ist aber sehr empfehlenswert. Nachrüstsysteme mit externen Sensoren (am Ventil) sind ab ca. 50 € erhältlich und warnen bei plötzlichem Druckverlust.

Was bedeutet der Lastindex auf meinem Reifen?

Der Lastindex (z. B. „112″ bei 225/75 R16 CP 112R) gibt die maximale Tragfähigkeit pro Reifen bei einem bestimmten Druck an. Beispiel: LI 112 = 1 120 kg bei 5,5 bar. Mit der Drucktabelle des Herstellers kannst du ablesen, welcher Druck für deine tatsächliche Radlast nötig ist.